Korrelationen und Ursache-Wirkung-Beziehungen

Letztens habe ich einen Kurs über Wirtschafts-Englisch besucht. Dabei tauchte der Begriff „Correlation“ auf, der nicht allen Teilnehmern geläufig war. Da hat dann die Kursleiterin versucht, das als Ursache-Wirkung-Beziehung zu erklären. Tja, da musste ich doch vehement widersprechen. Eine Korrelation mag vielleicht auf eine Ursache-Wirkung-Beziehung hindeuten, sie selbst ist es aber mitnichten. Tatsächlich wird hier häufig Schindluder betrieben und unabsichtlich (oder auch absichtlich) unlauter argumentiert.

Ein kleines Beispiel dazu:

Ich habe in meinem Berufsleben vielleicht vier mal meinen Arbeitgeber gewechselt (ich bin halt eine treue Seele). Und immer wenn ich gekündigt hatte, ist der Aktienkurs meines bisherigen Arbeitgebers gefallen. Das sieht nach einer eindeutigen Korrelation aus, doch was mag sie bedeuten? Folgende Erklärungsversuche fallen mir ein:

  1. Es ist so, wie die Leiterin in meinem Englisch-Kurs erläutert hat: Die Korrelation ist auch gleich die Ursache-Wirkung-Beziehung. Im Satz „Wenn ich die Firma verlasse, fällt der Aktienkurs“ wird das „wenn“ durch ein „weil“ ersetzt. Ich bin halt so wichtig für meinen jeweiligen Arbeitgeber, dass es immer mit der Firma bergab geht, wenn ich kündige. Naheliegend, nicht?
  2. Die Ursache-Wirkung-Beziehung gibt es schon, aber sie ist genau umgekehrt: Ich bin ein Angsthase und immer wenn bei meinem Arbeitgeber die Zahlen schlechter werden (was sich für Insider schon früh abzeichnet), such ich lieber das Weite und verlasse das sinkende Schiff. Nicht so schmeichelhaft für mich wie Nummer 1.
  3. Es gibt Ursache-Wirkung-Beziehungen, aber sie sind nicht so einfach, wie in Nummer 1 und Nummer 2 dargestellt. So mag bei jedem meiner Wechsel eine Änderung im Management der Firma vorausgegangen sein. Das hatte sich jeweils schlecht auf die Stimmung in der Belegschaft ausgewirkt, weshalb ich eben gekündigt hatte. Aber das neue Management war nicht nur intern unbeliebt, sondern auch wirklich nicht gut und hat durch geschäftliche Fehlentscheidungen schlechtere Zahlen erzeugt und damit einen Kursverlust verursacht.
    Es ist also nicht so, dass eines der beobachteten Phänomene (Kündigung und Kursverlust) die Ursache des anderen wäre, sondern beide sind Folge (Wirkung) einer gemeinsamen Ursache.
    Das mag sich zu einem ganzen Netz von Ursache-Wirkung-Beziehungen auswachsen, die sogar gegenläufig sein und sich teilweise aufheben können. Die gemessene Korrelation ist nur ein Ergebnis so eines Netzes von Ursache-Wirkung-Beziehungen.
  4. Alles Quatsch. Korrelationen sind statistische Phänomene, und so eine Messung, die auf nur vier Beobachtungen basiert, ist nicht signifikant; sie hat „eine schlechte Statistik“. Bei einem Münzwurf liegt die Wahrscheinlichkeit, dass 4 mal hintereinander Kopf erscheint, immer noch bei 6,25%. Wenn ich noch 100 mal meinen Arbeitgeber wechseln würde (was ich nicht tun werde), gäbe es eine ausgeglichene Verteilung von anschließenden Kursgewinnen und -verlusten.

Also Vorsicht, wenn jemand aufgrund einer Korrelation Schlüsse zieht und eine Ursache ausmacht. Es ist die statistische Signifikanz der Korrelation zu prüfen (es kann alles Zufall sein), die Richtung der Ursache-Wirkung-Beziehung mag genau anders herum sein, und schließlich mögen ganz andere Ursachen im Verborgenen schlummern, die es zu entdecken gilt. Frei nach Churchill: Traue keiner Korrelation, die Du nicht selbst missbraucht hast!

http://www.dilbert.com/strips/comic/2014-05-09/

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